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| Petra Dreu, Tel.: 04531 - 87 24 1, petra[at]dreu.net |
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Aktuelle Pressemitteilungen: |
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Deutsches Ärzteblatt/PP/Heft 9/September 2003
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Psychotherapie-Forschung, Förderung dringend nötig
Für die Psychotherapie-Forschung fehlt es in Deutschland an Geld. Während die Pharmaindustrie jährlich Milliardensummen für die Erprobung neuer Psychopharmaka einsetzt, muss die Psychotherapie-Forschung mit einem Bruchteil auskommen. Denn sie wird – bis auf wenige Ausnahmen – nur von staatlicher Seite gefördert.
Dieses Manko ist bekannt und bedarf der Abhilfe. Der zur Zeit noch bei der Bundesärztekammer angesiedelte Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie (WBP) - im Oktober wechselt der Beirat wie vorgesehen zur Bundespsychotherapeuten-kammer – hat deshalb in Gesprächen mit dem Bundesminister für Bildung und Forschung (BMBF) angeregt, Konzepte für eine Förderung der Psychotherapie-Forschung zu entwickeln. Auch eine Fördersumme war schon einmal im Gespräch. Das BMBF schlug daraufhin ein Symposium mit Experten vor, um „die Aktualität und Stringenz der vorgeschlagenen Forschungsgelder zu validieren“. Dieses Symposium fand Ende Juni in Mainz statt, und vertreten waren neben internationalen Wissenschaftlern fast alle relevanten deutschen Lehrstuhlinhaber.
Bedarf zu forschen gibt es genug, darin waren sich die Wissenschaftler einig. Es fehlt generell an Outcome-Studien, die die Effektivität und Effizienz von Psychotherapie-verfahren beleuchten ebenso wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Vor allem in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie hinkt die Forschung in Deutschland hinterher. Aber auch die Wirksamkeit von Psychotherapie bei älteren Menschen ist ein vernachlässigtes Thema. Es fehlt weiter an Studien, die die Bedeutung der therapeutischen Beziehung untermauern. Es mangelt an anwendungsbezogener Forschung, die effektive Ansätze für die Umsetzung der Studienergebnisse in die Praxis entwickelt.
Ein weiteres zu bearbeitendes Gebiet – jedoch nicht nur für die Psychotherapie – ist die Versorgungsforschung. Beantwortet werden sollen dabei vor allem Fragen zur Inanspruchnahme psychotherapeutischer Hilfen, zu den strukturellen Voraussetzungen des Versorgungssystems ambulant und stationär sowie deren Schnittstellen. Ebenso spielt die Qualitätssicherung des Angebots eine Rolle.
Wichtig wäre auch die Erforschung neuer Methoden, die dazu beitragen, das Verständnis der Öffentlichkeit für Psychotherapie zu fördern. Prävention und psychologische Interventionen bei chronischen Erkrankungen bedürfen ebenfalls weiterer Studien. Geschlechtsspezifische Ansätze sind sinnvoll und müssen noch besser untersucht werden, insbesondere fehlen Wirksamkeitsnachweise für männliche Patienten.
Ob diese Themen oder ein Teil davon eine Chance haben, vom BMBF gefördert zu werden, ist derzeit noch unklar. Das jedenfalls machte Dr. Richard Mitreiter vom Projektträger Gesundheitsforschung des BMBF, deutlich. Die Mainzer Diskussion wird im Oktober vor dem wissenschaftlichen Ausschuss des Gesundheitsforschungs-rates des BMBF vorgetragen. Die Professoren haben ihr Bestes getan, den Forschungsbedarf zu begründen. Jetzt bedarf es nur noch der Einsicht. Petra Bühring
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Deutsches Ärzteblatt/PP/Heft 9/September 2003
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Allergien, Modulation durch Psyche, Psychotherapie in manchen Fällen angeraten
Allergische Symptome wie Niesattacken, Luftnot und Augenjucken treten bei manchen Allergikern auch ohne Allergen auf – zum Beispiel im Sinne einer klassischen Konditionierung bei Betrachten eines Fotos, auf dem das Allergen abgebildet ist. Darauf hat der Ärzteverband Deutscher Allergologen(ÄDA) hingewiesen. Oft spielen nach Angabe des Verbandes Stress, Beziehungskonflikte, Depressionen und Ängste als Kofaktoren eine Rolle beim Auftreten allergischer Symptome.
Allergologen gingen zum Beispiel davon aus, dass bei etwa der Hälfte aller Asthmaanfälle als mögliche Auslöser neben einer allergischen Komponente, Infektionen und physikalischen Reizen auch emotionale Faktoren beteiligt seien. „Ohne Frage bestehen enge Beziehungen zwischen Nervensystem und Immunsystem“, erklärte Prof. Dr. med. Harald Renz von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI).
„Sie wirken in beide Richtungen und werden durch Neurotransmitter vermittelt.“ Die Forschung interessiere sich zurzeit besonders für die Gruppe der Neurotropine. Diese Neurotransmitter werden nicht nur von Nervenzellen, sondern auch von Immunzellen gebildet und sie wirken auch auf beide Zellsysteme. „Neurotropine scheinen eine wichtige Schnittstelle zwischen Nervensystem und Immunsystem zu bilden. Sie werden bei allergischen Reaktionen überschießend produziert und bleiben über Tage und Wochen hinweg wirksam“, so Renz. ÄDA und DGAI empfehlen, einen Allergiepatienten gegebenenfalls psychotherapeutisch mitbehandeln zu lassen – das gelte auch dann, wenn starke seelische Belastungen nicht als eine der Ursachen, sondern als Folge der Allergie aufträten.
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Überraschung: Allergien entstehen auch im Kopf
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Artikel in der Saarbrücker Zeitung vom 20.08.03 Ulrich Fricke
Mediziner versuchen, Allergikern mit gezieltem Verhaltenstraining zu helfen – Hilfe gegen Heuschnupfen
Saarbrücken. Was ist eine Allergie? Die Antwort lautet: eine übertriebene Reaktion des Immunsystems auf harmlose Stoffe wie Blütenstaub oder die Ausscheidungen der Hausstaubmilben. Doch nicht jeder entwickelt eine solche Empfindlichkeit. Und in jüngster Zeit wird auch immer deutlicher, dass die Psyche darüber mitentscheidet, wie schwer jemand unter Heuschnupfen oder allergischem Asthma leidet. Lange ist bekannt, dass es in unserem Organismus vielfältige Verflechtungen und Wechselwirkungen zwischen Nervenzellen und Immunsystem gibt. Das hat wahrscheinlich jeder schon am eigenen Leib zu spüren bekommen: Wenn Ärger, Ängste, Stress oder Alltagshektik das Immunsystem schwächen, haben Krankheitserreger leichtes Spiel. Aber ein intaktes Immunsystem sorgt nicht nur für eine erfolgreiche Krankheitsabwehr, es macht auch weniger anfällig für Allergien.
Gedächtnis weg, Beschwerden weg Einer der beliebtesten Ratschläge für Allergiker lautet „Meiden Sie Allergene.“ Doch das ist oft einfacher dahergesagt, als es sich umsetzen lässt. Für Experten wie Dr. Klaus Witt aus dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft Psycho-Allergologie können solche Empfehlungen auch genau das Gegenteil bewirken: „Strikte, aber kaum umsetzbare Ratschläge wie Fenster schließen und im Haus bleiben können bei vielen Patienten die Angst vor den Allergenen verstärken – und damit auch die Symptome.“
Bei manchen Patienten kommt es bereits zu einer erhöhten Bereitschaft allergisch zu reagieren, wenn sie die Pollenvorhersage lesen. Außerdem ändern sich Allergien: „Es gibt immer wieder Pollenallergiker, die sich in einem Jahr vor Niesattacken und tränenden Augen kaum retten können, aber die nächste Saison erstaunlich gut überstehen – vielleicht weil sie frisch verliebt sind“, so Klaus Witt. Einer der eindrucksvollsten Belege dafür, wie die Psyche Allergien beeinflusst, haben Wissenschaftler vom Institut für Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld 1997 in der Fachzeitschrift Psychiatry Research beschrieben. Sie behandelten einen Mann, der eines Morgens mit dem Fahrrad zum Brötchenholen losgefahren war und plötzlich nicht mehr wusste, wer er war und wo er wohnte. Ziellos streifte er am Rhein entlang. Der Patient hatte sein Gedächtnis vollkommen verloren. Aber nicht nur das – auch seine Allergie war verschwunden. Aus seinen Krankenakten ging hervor, dass er an schwerem allergischem Asthma gelitten hatte. Das Zusammenspiel zwischen Psyche und Immunsystem – Wissenschaftler sprechen von „Psycho-Neuroimmunologie“ – ist längst nicht im Einzelnen erforscht. Sicher ist heute nur, dass beide Systeme über Botenstoffe wie Interleukine, Stresshormone, Endorphine oder Interferone in ständigem Austausch stehen.
Klaus Witt hat zusammen mit Wissenschaftler der Fachhochschule Hildesheim ein Patienten-Programm entwickelt und erprobt, das gezielt die psychische Komponente der Allergien anspricht. Anwender des Verfahrens haben sich in der Deutschen Gesellschaft für Psycho-Allergologien zusammengeschlossen. Sie verstehen ihre Therapie ausdrücklich als Ergänzung der bisherigen medizinischen Methoden, nicht als eine Alternative. Auch wehren sie sich gegen die Vorstellung, die Patienten würden sich die Symptome lediglich „einbilden“. Aber sie haben mentale Faktoren erkannt, die den Verlauf einer Allergie beeinflussen können. Negativ wirken beispielsweise übertriebene Ängste, pessimistische Erwartungshaltungen und das Gefühl der Hilflosigkeit. Positiv machen sich jedoch der Glauben an die eigene Stärke und ein gelassener Umgang mit den Symptomen bemerkbar. Außerdem sollen die Patienten erkennen, dass Allergene keine Gifte sind, sondern lediglich der Körper falsch reagiert.
Diese Erkenntnisse werden in speziellen Kursen vermittelt. Klaus Witt hat das Psycho-Training in Zusammenarbeit mit dem Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf an 73 Heuschnupfen-Patienten getestet. Während der Pollensaison kamen in der Behandlungsgruppe mehr als 60 Prozent ohne Medikamente aus. In einer unbehandelten Vergleichsgruppe waren es lediglich zwölf Prozent. Vier von fünf Patienten bewerteten die Therapie als Erfolg.
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DGPA - Deutsche Gesellschaft für Psycho-Allergologie e.V.
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