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Im allgemeinen werden körperliche Allergiesymptome schulmedizinisch
erklärt. Das Immunsystem ist jedoch ein komplexes System, indem
unterschiedliche Zellen und Moleküle im ständigen Kontakt miteinander
agieren und aufeinander reagieren. Die Beobachtung dieser verschiedenen
selbstregulierenden Immunprozesse, wie etwa die Aktivierung von
stimulierenden T-Helferzellen und T-Suppressorzellen oder die Sekretion
immunsuppressiver oder immunstimulierender Zytokine führte zunächst
zu der Annahme, dass es sich bei dem Immunsystem um ein autonomes
System handelt.
Befunde der Psychoneuroimmunologie (PNI), deuten jedoch daraufhin,
dass
- das Immunsystem eine maßgebliche Rolle bei der Entstehung und
Aufrechterhaltung chronischer und psychosomatischer Krankheiten
spielt.
- das Zentralnervensystem über die Psyche Einfluss auf diese Immunprozesse
hat.
- das Neuroendokrine-System auch als Vermittler von Botschaften
zwischen diesen Systemen fungiert.
Hierbei scheint eine bidirektionale Kommunikation zwischen den
drei Systemen zu bestehen. Eine umfassende Darstellung der einzelnen
psychoneuroimmunologischen Paradigmen und ihrer Ergebnisse würde
den Rahmen dieser Seite sprengen. Wir verweisen daher auf einige
ausgewählte Arbeiten und Ergebnisse der PNI und den möglichen Einfluss
von psychischen Prozessen. Diese bestimmen über Emotionen, Kognitionen
und assoziatives Lernen mit über die Sensibilisierung und den Grad
der Ausprägung einer allergischen Reaktion.
"Interdisziplinäre Untersuchungen der jüngsten Vergangenheit
demonstrieren, daß das Nervensystem und das Immunsystem an verschiedenen
Knotenpunkten in enger funktioneller Wechselbeziehung stehen (Ader
und Cohen, 1993; Besedovsky & del Rey, 1996; Felten & Felten,
1994; Ottaway & Husband, 1994; Weihe et al., 1991a). Botenstoffe
des Nervensystems wirken auf Immunzellen, und solche des Immunsystems
beeinflussen das Nervensystem." (Weihe, et al. in Schedlowsky
, 1996, S. 222)
Obwohl viele Kommunikationswege zwischen dem Nervensystem, dem
Hormonsystem und dem Immunsystem noch unerforscht sind, ist bereits
sehr gut dokumentiert, dass das Immunsystem in der Lage ist, auf
neurochemische Signale vom Nerven- und Hormonsystem zu reagieren.
Bekannt ist auch, daß Funktionen des Nerven- und Hormonsystems von
Produkten des aktivierten Immunsystems beeinflusst werden. Die Existenz
dieser Wechselbeziehungen bildet die experimentelle Grundlage für
die Erforschung von Verhaltenseffekten und psychotherapeutischen
Prozessen auf das Immunsystem. Gedanken und Überzeugungen, die Angst
oder Hoffnungslosigkeit auslösen, führen beispielsweise zu emotionalen
Zuständen des Menschen, die sich physiologisch auf zentralnervöse
Aktivierungs- und/oder Hemmprozesse und auch molekular-biologisch
auf das Zusammenspiel zahlreicher neuronaler Botenstoffe zurückführen
lassen. So können kognitive Faktoren mit hoher Wahrscheinlichkeit
bei empathisch wahrnehmenden Personen zu einer Assoziation von Angst
und allergischem Geschehen führen, deren wechselseitige Beeinflussung
an Heftigkeit zunimmt. (vgl. Schmidt-Traub, 1991, S 19.)
Die Grundlagen dieser Interaktion werden durch die psychoneuroimmunologische
Forschung langsam auf der zellulären und humoralen Ebene erhellt.
Zänker wies auf Korrelationen zwischen emotionalen Zuständen und
dem Zytokinprofil hin. Vermutlich gibt es Zusammenhänge zwischen:
- "Der Neigung Ärger zu unterdrücken" und Beta-Endorphin
- "Depression" und T-Suppressorzellen CD8
- "Neugierde" und T-Helferzellen CD4
Im Faktor Angst (der situativen momentanen Angst) konnte er ein
zunehmendes Angstgefühl mit einem sinkenden IL-2 Rezeptorenbesatz
korrelieren (Korrelationskoeffizient:-0,5; p=0,012). Diese Zusammenhänge
bleiben auf den Kriterien der wissenschaftlichen Testkonstruktion
fraglich und sind nur schwer nachzuweisen, geben jedoch Hinweise
für einen möglichen Einfluss der Psyche.
"Die angegebenen Korrelationen sind in ihrer Ausprägung gering.
Alle Korrelationskoeffizienten liegen unter .5 und lassen somit
unterschiedliche Interpretationen zu. Anderseits sind bei derartigen
Analysen auch gar nichts anderes als schwache Beziehungen zu erwarten,
weil diese psychologischen, immunologischen und endokrinologischen
Variablen stark untereinander abhängig sind und sich bidirektional
beeinflussen." (Zänker Kurt,1991, S. 43)
Weihe legt die Theorie nahe, daß Impulse aus dem Gehirn primär-afferente
Neurone rückläufig so beeinflussen, dass sie in der Peripherie in
der Nähe von Immunzellen immunmodulierende Neuropeptide freisetzen
und resümiert:
"Dies könnte insbesondere zum "priming" und Überschießen
von Immunreaktionen in der Peripherie führen und den Einfluss der
Psyche auf allergische Reaktionen wie beim Asthma erklären (Neuroimmune
Konditionierung). " (Weihe, et al. in Schedlowsky , 1996, S.
228)
Diese Mechanismen sind so komplex, dass die in der Allergologie
bisher übliche medizinische Eingrenzung auf das Immunsystem und
seine rein physiologischen Abläufe - ohne Berücksichtigung der Psyche
- als restriktive Einschränkung erscheint.
Neben teils genetisch vorprogrammierten, teils erworbenen Dispositionen
nehmen schädliche Umwelteinflüsse ebenso Einfluss auf die Immunfunktion
(Mackarness, 1976; Randolph u. Mitarb., 1986, Steuer, 1987), wie
ungesunde Ernährung und Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln (Wilden
u. Jorde, 1987; Ring, 1988; Schmidt-Traub, 1987, 1988; Wiedermann,
1987a, 1987b). Akute Panikzustände und vor allem generalisierte
Angstsyndrome als chronisch wirksame Stressoren können sicherlich
hinzugerechnet werden und kausale Einflussgrößen darstellen. (vgl.
Schmidt-Traub Sigrun, 1991, S. 24)
Folglich ist zu vermuten, dass nur ein interdisziplinärer Ansatz,
der einen Blick auf das gesamte Netzwerk mit all seinen Parametern
ermöglicht, schlüssige Aussagen über die allergischen Mechanismen
zulässt.
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